Ratgeber

 

 
 

 

 
 
 
Charles Anders: The Lazy Crossdresser.
Greenery Press, Emeryville (CA) 2002.
 
Dies ist der Ratgeber eines Cross-Dressers aus Kalifornien, der sehr unbefangen und offen mit seiner Neigung umgeht. Das Buch enthält viele praktische Tipps zu Themen wie Make up, Perücken, Kleidung, Ausgehen etc. Die Philosophie, die in dem Buch verbreitet wird, heißt: „Spaß haben“ mit Cross-Dressing. Tiefschürfende Ausführungen zu den Ursachen und Motiven des Cross-Dressing findet man hier nicht.
 
 
 
Birgit Bader, Ben Behnke, Christin-Susen Beck: Das dritte Geschlecht. Transsexuelle, Transvestiten und Androgyne.
Rasch und Röhring, Hamburg 1995.
 
Dieses Buch könnte man auch unter den Biografien einordnen, denn es enthält 15 ausführliche Interviews mit Transgender, darunter überwiegend Transsexuellen. Ich habe es aber unter die Ratgeber eingeordnet, weil es auch einen sehr informativen Ratgeberteil für Transsexuelle enthält, der vor allem auf medizinische, psychologische und rechtliche Fragen der Geschlechtsangleichung eingeht. Aber auch die Interviews sind sehr spannend und informativ. Sehr empfehlenswert!
 
 
 
 

Jula Böge: Ich bin (k)ein Mann … Als Transgender glücklich leben. agenda Verlag, Münster 2009.

 

Unter den neu erschienenen Transgender-Büchern der letzten Zeit darf natürlich dasjenige meiner Freundin Jula nicht fehlen. Ich habe mich jedoch zunächst gefragt, ob ich ihr Buch hier überhaupt besprechen darf, da ich den Inhalt mehrmals lang und ausgiebig mit Jula diskutiert habe und insoweit ein wenig befangen bin. Manche Gedanken in dem Buch, das kann ich für mich reklamieren, sind in Gesprächen oder E-Mails zwischen ihr und mir entstanden oder geschärft worden. Daher darf sich niemand wundern, wenn ich dieses Buch als das wichtigste zum Thema Transidentität bezeichne, dass in den letzten Jahren in deutscher Sprache erschienen ist. Aus diesem Grund auch wären meine Literaturempfehlungen ohne Julas Buch unvollständig.

 

Jula Böge unterhält schon seit längerem eine sehr bekannte Homepage, auf der sie ihre Erlebnisse und Gedanken zur Transidentität verarbeitet. In dem Buch greift sie viele Inhalte von dieser Homepage auf und verarbeitet sie zu einem konsistenten Gesamtwerk. Es ist ein Sachbuch, das in weiten Teilen den Charakter eines Ratgebers hat und sich, wo es nötig ist, um wissenschaftliche Absicherung bemüht. Gleichwohl ist es sehr subjektiv geschrieben, es stehen das persönliche Erleben als Transgender und die damit verbundenen Gefühle und die Auswirkungen auf die Familie, Freunde, Bekannte und die soziale Umwelt im Vordergrunnd.

 

Jula fragt sich immer wieder, was die Erfahrungen, die sie bei ihren Ausgängen als Frau macht, in ihr auslösen und wie ihre Umwelt auf sie reagiert. Im Blick hat sie dabei nicht primär TS, die sich mit der Frage eines dauerhaften Wechsels in die Rolle einer Frau beschäftigen, sondern transidentische Menschen, die ihr Leben mehr oder weniger intensiv (auch) als Frau gestalten möchten, ohne aber für immer die Seite zu wechseln. Ihr geht es darum, das richtige innere Gleichgewicht zu finden und angemessen nach außen zu kommunizieren. Dabei geht es ihr nicht in erster Linie um das Aufzeigen von Problemen, sondern sie will Mut machen, den Schritt als Frau nach draußen zu wagen und Spaß zu haben.

 

Das Buch beginnt mit der Bezugnahme auf das Märchen Aschenputtel, das sie als symbolhaft für das Selbstempfinden eines Transgender sieht. Es beschreibt dann die schwierige soziale Realität, in der Transgender leben, und nimmt dazu einige Begriffsbestimmungen vor. Viel Raum widmet es der Kommunikation nach außen, die mit dem Versteckspiel der „Stuben-Transe“ beginnt und sich dann der Außenwelt einschließlich der Partnerin öffnet. Das Kapitel „Partnerinteressen“ ist sowohl für diejenigen Transgender, die vor der Frage stehen, wie sie sich ihrer Partnerin gegenüber outen können, als auch für Partnerinnen sehr hilfreich, weil es die Gefühle und Interessen aus beiden Perspektiven beleuchtet und Vorschläge für eine bessere Gestaltung der Partnerschaft entwickelt.

 

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist das Auftreten transidentischer Menschen in der Öffentlichkeit. Angesprochen werden die Ängste, die es dabei zu überwinden gilt, die Bedeutung des Passing als Frau, Feedback, Styling und Körpersprache. Für besonders gelungen halte ich das Kapitel „Wohin die Kugel rollt“, in dem Jula aufzeigt, wie und an welchem Punkt sich für einen Dritten entscheidet, ob er jemanden als Mann oder als Frau wahrnimmt. Den Abschluss des Buches bilden vier Berichte über Erlebnisse von Jula als Frau, von dem ersten schüchternen Ausgang bis zu einem Tagebuch über einen mehrwöchigen Berlin-Aufenthalt.

Auch wenn ich vielleicht befangen bin, so erlaube ich mir doch das Urteil, dass dieses Buch das beste Sachbuch und der beste Ratgeber für Transgender ist, den ich bisher gelesen habe.

 

 
 
Kate Bornstein: Gender Outlaw. On Men, Women, and the Rest of Us
Routledge, NowYork/London 1994.
 
Kate Bornstein ist eine amerikanische Transgender-Aktivistin, die unsere Vorstellungen von Mann und Frau grundsätzlich in Frage stellt. In ihrem Buch verarbeitet sie die Erfahrungen, die sie selbst auf ihrem Weg vom Mann zur Frau machte, die am Ende bei ihr aber die Kategorien von männlich und weiblich grundsätzlich ins Wanken brachten. Heute ist sie nicht mehr sicher, ob sie überhaupt ein Geschlecht hat. Ich hatte, offen gestanden, einige Schwierigkeiten beim Zugang zu ihrer Gedankenwelt.
 
 
 
Kate Bornstein: My Gender Workbook. How to Become a Real Man, a Real Woman, or Something Else Entirely.
Routledge, NewYork/London 1998.
 
Mit diesem Arbeitsbuch will Kate Bornstein alle Menschen, und zwar nicht in erster Linie Transgender, sondern gewöhnliche Männer und Frauen, zum Nachdenken über ihre Geschlechterrolle bewegen. Ziel ist es, die Leserinnen und Leser zum Experimentieren mit ihrer Geschlechterrolle zu animieren. Über diesen Punkt sind wir Transgender jedoch längst hinaus. Deshalb gehören wir auch nicht zur vorrangigen Zielgruppe. Trotzdem ist das Buch auf seine Weise interessant und eignet sich als Geschenk.
 
 
 
Helen Boyd: My Husband Betty. Love, Sex, and Life with a Crossdresser.
Thunder's Mouth Press, New York 2003.
 
Die Autorin ist Pschychologin und Partnerin eines Crossdressers. Sie schildert die Erfahrungen mit ihrem Mann aus der Sicht einer Partnerin und analysiert seine Situation und sein Verhalten mit ihren psychologischen Kenntnissen. Das ganze Buch hindurch wird ihre Ambivalenz zur Neigung ihres Mann erkennbar. Wie viele, wenn nicht die meisten Partnerinnen wäre es ihr am liebsten, wenn sie einen ganz "normalen" Mann hätte, entwickelt aber trotzdem ein hohes Maß an Sympathie und Einfühlungsvermögen für seine Interessen und entdeckt auch die Vorteile für sich selbst. Sie empfiehlt allen Crossdressern, ihre Neigung offen auszuleben und sie nicht zu unterdrücken.
 
Das Buch ist besonders für Partnerinnen geschrieben und will ihnen helfen, ihren Partner besser zu verstehen, aber auch, Sympathie für ihn zu entwickeln. Es ist aber auch sehr lehrreich und instruktiv für betroffene transidentische Menschen, nicht nur, weil ihnen von einer fachlich sehr kompetenten und engagierten Partnerin ein Spiegel vorgehalten wird, sondern auch, weil sie sehr viel über sich lernen. Sehr interessant und nachdenklich fand ich ihre Aussagen zur Sexualität von Crossdressern. Nicht gefallen hat mir, dass die Autorin die weibliche Bezeichnung für ihre Partner ("she", "her") stets in Anführungszeichen setzt. Auch wenn sie ihre weiblichen Vornamen verwendet, so halte ich dies doch für eine Diskriminierung und für unpassend zu der sonst sehr einfühlsamen und positiven Grundeinstellung.

 

 
 
 
Helen Boyd: She’s Not the Man I Married.
Seal Press, Emeryville 2007.
 

Dieses Buch ist die Fortsetzung von „My Husband Betty“, des ersten Buches von Helen Boyd über ihr Leben mit ihrer transidentischen Partnerin Betty. In ihrem neuen Buch steht aber nicht so sehr Betty im Mittelpunkt, sondern ihre eigenen Gefühle und Erlebnisse als Partnerin.

 

Helen Boyd versteht sich als heterosexuelle Frau, die mit den immer stärker werdenden Bedürfnissen ihrer Partnerin zum Ausleben ihrer weiblichen Seite klar kommen muss und stets damit rechnet, dass sie ganz als Frau leben möchte und dass sie sie als Partner verliert. Sie beschreibt sich als „tomboy“, was man mit dem veralteten deutschen Wort „Wildfang“ übersetzen könnte, also ein Mädchen, das lieber bei den wilden Spielen der Jungs mitmachen möchte und keinen Sinn für schöne Kleider und Schminken hat. (Ob sie genau das wohl für Betty so attraktiv gemacht hat?) In dem Buch geht es zu einem großen Teil um die Sexualität der Autorin mit ihrer transidentischen Partnerin, um die Enttäuschung, die bei ihr entsteht, je mehr Betty zur Frau wird, um die Ängste, Betty ganz zu verlieren, um die Zweifel, die bei ihr an ihrer eigenen Identität als Frau entstehen.
 
Das Buch ist sehr persönlich geschrieben. Partnerinnen transidentischer Menscher fühlen sich wahrscheinlich stärker angesprochen als wir Transidenten selbst. Uns kann es aber helfen, unsere Partnerinnen besser zu verstehen. Bei aller gewachsener Toleranz und Akzeptanz für transidentische Menschen in unserer Gesellschaft bleibt das Verhältnis zu unseren Partnerinnen das wohl schwierigste Thema, mit dem wir selbst konfrontiert sind. Insofern ist das neue Buch von Helen Boyd ohne Zweifel zu empfehlen
 
 
 
Mildred L. Brown, Chloe Ann Rounsley: True Selves. Understanding Transsexualism for Families, Friends, Coworkers, and Helping Professionals.
Jossey-Bass, San  Francisco 1996.
 
Dieses ist der wahrscheinlich beste Ratgeber, den ich zu Fragen der Transsexualität kenne. Er behandelt systematisch und gut verständlich den aktuellen Wissenstand zum Thema, beginnend mit Begriffserläuterungen über Ausprägungen in der Kindheit und Jugendzeit bis hin zur Transition und den damit verbundenen Problemen in der Familie und am Arbeitsplatz. Die Autorinnen zeigen viel Einfühlungsvermögen für die Betroffenen, haben große Sympathien für sie und finden meist den richtigen Ton, bagatellisieren aber keine Probleme. Das Buch hätte eine deutschsprachige Übersetzung verdient.
 
 
 
 
Pat Califia: Sex Changes. The Politics of Transgendrism.
Cleiss Press, San Francisco 1997.
 
Pat Califa ist eine amerikanische Feministin. In ihrem Buch analysiert sie kritisch die Biografien mehrerer bekannter Transsexueller, die Arbeiten der wichtigsten Mediziner und Wissenschaftler, die die Grundlagen für die heutigen medizinische und psychologische Behandlung transidentischer Menscher geschaffen haben, die Auffassungen verschiedener Trangender-Aktivisten und die Einstellungen in der Schwulen- und der Lesben-Bewegung zur Transsexualität. Ich fand die Lektüre sehr anregend.
 
 
 
 
Karin Hertzer: Mann oder Frau. Wenn die Grenzen fließend werden.
Ariston-Verlag, Kreuzlingen.
 
Dies ist ein informativer und gut lesbarer Einstieg in die Transgender-Problematik. Es werden (fast) alle Aspekte des Themas angesprochen, u.a. die Geschlechterfrage in der Geschichte, Intersexualität, Travestie, Transsexualität und Wege zur Geschlechtsangleichung. Das Buch enthält zahlreiche Kurzporträts von Betroffenen und eignet sich hervorragend für einen ersten Überblick. Die Ausführungen gehen aber nie sehr in die Tiefe. Dazu ist man auf weiterführend oder spezialisierte Literatur angewiesen.
 
 
 
 
John Phillips: Transgender on Screen.
Palgrave Macmillan, Basingstoke/ New York 2006.
 
John Phillips analysiert in seinem Buch die Darstellung unterschiedlicher Arten von Geschlechtswechseln in Filmen, Schauspiel und anderen kulturellen Medien und die tiefenpsychologischen Zusammenhänge, die darin erkennbar werden. Dies tut er weniger aus Interesse an transidentischen Menschen, sondern ihn interessieren mehr die Motive der Filmemacher und die Wirkungen auf „normale“ Zuschauer und die sich hierin ausdrückenden gesellschaftliche Einstellungen zu Geschlechtsrollen, zum gesellschaftlichen Status von Männern und Frauen bis hin zu Kastrationsängsten. Er unterscheidet die folgenden Arten von Filmen und Schauspielen mit Transgender-Bezug: Darstellungen von Frauenrollen durch Männer in historischen Schauspielen, Komödien wie „Manche mögen’s heiß“, „Tootsie“, „Vitor/Victoria“ und „Mrs. Doubtfire“, die sich spielerisch dem Thema nähern, Krimis wie „Psycho“, „Dressed to Kill“, „Das Schweigen der Lämmer“ und „Cherry Falls“, in denen transidentische Menschen auf mysteriöse und teils bestialische Weise morden, Filmen wie „The Crying Game“, „Priscilla, Königin der Wüste“ und „Boys don’t Cry“, in denen die Täuschung über die Geschlechtszugehörigkeit ein zentrales Thema ist, und – etwas randständig – Shemale Internet Pornografie.
 
Das Buch ist durchaus interessant, weil es tiefenpsychologisch verwurzelte Einstellungen zur Rolle von Männer und Frauen und Abweichungen hiervon und deren Auswirkungen auf das Denken und Verhalten von Menschen herausarbeitet. Auch wenn ich selbst einige der analysierten Filme, vor allem die Psycho-Krimis, für sehr geschmacklos oder noch schlimmer halte, so eignen sie sich doch für den Analysezweck.
 
 
 
 
Lannie Rose: How to Change Your Sex. A Light-hearted Look at the Hardest Thing You'll Ever Do.
LuLu Press, 2004.
 
Lannie Rose ist eine Transsexuelle, die die Leserin/den leser mit diesem locker geschriebenen Buch auf die Reise vom Mann zur Frau mitnimmt. Es ist ein Ratgeber, der alle Themen, mit denen sich ein transsexueller Mensch auf dieser Reise auseinander setzen muss, auf ernsthafte und systematische Weise anspricht und abhandelt. Für einen Ratgeber ist er aber sehr witzig geschrieben und auch für LeserInnen, deren Englischkenntnisse begrenzt sind, relativ leicht zu verstehen. Das Buch ist allerdings nicht so tiefgründig und systematisch wie andere englischsprachige Ratgeber zur Transsexualität wie zum Beispiel "True Selves" von Mildred Brown und Chloe Ann Rounsley. Ich kann ihn trotzdem durchaus empfehlen.
 

 

 

Peggy J. Rudd: Crossdressers and Those Who Share Their Lives.
PM Publishers, Katy, Texas 1995.
 
Peggy J. Rudd: Crossdressing With Dignity. The Case for Transcending Gender Lines.
PM Publishers, Katy, Texas 1999.
 
Peggy J. Rudd: Who’s Really from Venus? The Tale of Two Genders.
PM Publishers, Katy, Texas 1998. 

Peggy J. Rudd ist die Ehefrau eines amerikanischen Cross-Dressers. Sie beschreibt in mehreren Büchern mit großer Sympathie die Anstrengungen von Männern, sich von Zeit zu Zeit in eine Frau zu verwandeln. Dabei nimmt ihre Beziehung zu ihren Partnerinnen breiten Raum ein. Die Bücher spiegeln eine für die USA nicht untypische, aber für unsere Verhältnisse fremde konservative Werthaltung wider. Auch wenn sie durchaus viele interessante Gedanken enthalten, so fällt es doch schwer, sie in einen mitteleuropäischen Kontext zu übertragen.

 

 

Veronica Vera: Miss Vera’s Finishing School for Boys Who Want to Be Girls. Doubleday, New York 1997.

Miss Vera betreibt in New York einen Transformationsservice für Cross-Dresser und gibt in diesem Buch Tipps für die Verwandlung zur Frau. Dies erfolgt am Beispiel der Storys verschiedener Kundinnen. Das Buch ist amüsant geschrieben, aber sicher nur interessant für Cross-Dresser, die sich mit dem äußeren Bild einer Frau zufrieden geben.

 

 
 
Norah Vincent: Enthüllungen. Mein Jahr als Mann.
Droemer, München 2007.
 
Die amerikanische Journalistin Norah Vincent schlüpfte ein Jahr lang in eine Männerrolle, um aus dieser Perspektive die ihr und den anderen Frauen normalerweise verschlossene Welt der Männer besser kennen und verstehen zu lernen. Dazu wählte sie vorrangig Orte und Umgebungen, in denen Männer unter sich sind und sich ungestört ihren männlichen Ritualen hingeben können. Dazu wählte sie einen Bowling-Club, eine Drückerkolonne für Zeitschriften-Abos, Nachtclubs und sogar ein Männerkloster aus. Als Frau gelingt es ihr besser, das spezifisch Männliche an diesen Orten und an dem Verhalten der Männer zu erkennen, als dies einem Mann möglich wäre. Norah Vincent geht zwar mit viel Distanz an diese Orte und Situationen heran, gewinnt aber zunehmend Sympathie für das Verhalten der Männer, identifiziert sich auch mehr und mehr mit ihrer Rolle, auch wenn ihr in keinem Moment Zweifel an ihrer eigenen Identität als Frau kommen. Man hat den Eindruck, sie schreibt für Frauen mit dem Ziel, ihnen mehr Verständnis für die Männerwelt zu vermitteln.
 
Norah Vincent tut damit oberflächlich betrachtet das Gegenteil dessen, was wir transidentische Menschen tun, wenn wir in eine Frauenrolle schlüpfen, ob temporär oder dauerhaft: Als Frau nimmt sie eine männliche Rolle an. Bei näherer Betrachtung macht sie jedoch eher Erfahrungen, die unseren vergleichbar sind, solange wir offiziell als Mann leben. Wir identifizieren uns wie Norah Vincent als Frau, finden uns aber immer wieder mehr oder weniger unfreiwillig in reinen Männerwelten wieder, die uns zunehmend fremd werden. Auch ich empfinde die Männerrituale, die ich dort erlebe, als fremdartig.
 
Das Buch von Norah Vincent muss man nicht unbedingt gelesen haben. Bemerkenswert ist, dass es einen Verleger für eine deutschsprachige Übersetzung gefunden hat. Es gibt so viele weitaus bessere Bücher aus den USA zum Thema Transidentität, die leider nicht in deutscher Übersetzung verfügbar sind.

 


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